Monatsarchiv für Juli 2010

 
 

“Der Meermacher” in einer Kritik von Klaus Hübner auf der Website des Goethe-Instituts

Who will stop the rain? Christoph Braendles Roman „Der Meermacher“

Die Darstellung des Weltuntergangs ist seit je ein großes Thema der Kunst und Literatur. Der in Wien lebende Schweizer Autor Christoph Braendle greift es in seinem brillanten Roman „Der Meermacher“ wieder auf. Das Buch ist einer der brisantesten Beiträge der deutschsprachigen Literatur zur Weltwirtschaftskrise.

In einer „zeitlos schwebenden Prosa“ verfasst, komme dieser jüngste literarische Weltuntergang direkt „charmant“ daher, meinte die Frankfurter Allgemeine Zeitung; die Wochenzeitung Die Zeit brachte eine fast euphorische Besprechung. Gute Literatur offenbar, dieser Meermacher, aber bisher ohne größere Wirkung. Ob man Braendles außergewöhnliches, packendes und umwerfend geschriebenes Buch erst richtig entdecken und würdigen wird, wenn seine Prophezeiung eingetroffen sein wird? Aber wer sollte dann …?

Die vollständige Rezession findet sich unter: http://www.goethe.de/kue/lit/thm/aug/de4936135.htm

Neue Zürcher Zeitung: Hinweise auf Bücher

Dahin und dorthin schweifend

In der Nähe der oberösterreichischen Ortschaft Kremsmünster steht ein Baum, der sich “mitten in der Welt” befinden soll. Aber wie wir längst zu wissen glauben, ist MItte kein fester Begriff, er verschiebt sich vielmehr nach persönlichem Gutdünken und gleitet auch nicht selten in Randzonen. So entdeckt sie der neugierige Reporter in St. Pölten oder Weimar, aber auch in der Heimatstadt Zug, die einst für den Knaben die Welt gewesen ist. Christoph Braendle, der 1953 geborene Schweizer Autor, welcher seit langem in Wien lebt, hat Aufzeichnungen, Resultate seiner ausgedehnten Reisetätigkeit, in einem anregenden Band vereinigt. Seine Texte, die locker das Thema “Mitte” um spielen, reichen indessen über Reportagen hinaus. Der genau beobachtende Schreiber leugnet nicht seine innere Beteiligung, und immer wieder einmal fährt eine poetische Brise durch die Texte. Dabei stellen sich in der Wahl der beschriebenen Lebenswelten frappierende Kontraste ein. Das exentrische Transvestiten-Milieu in New York mit den oftmals tragischen Schicksalen seiner Gestalten behauptet sich neben der Ländlichkeit eines Volksstücks aus Oberösterreich, neben den Bluttaten des unauffälligen Ehepaars in Thüringen, der Schilderung eines unaufhaltsamen Wachstums im marokkanischen Essaouira oder einem Bericht aus Rwanda. Immer aber erzählt Christoph Braendle unaufgeregt, von sanfter Ironie getragen. Er beherrscht die Kunst der Beiläufigkeit, die Sprache der Verknappung.

Christoph Braendle: Reportagen aus der Mitte der Welt. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2010. 298 S.

8. Juli 2010; Beatrice Eichmann-Leutenegger.