Monatsarchiv für Oktober 2009

 
 

Frankfurter Allgemeine, Kritik in Kürze: Die Aquarianer

Apokalyptiker haben auch in der Belletristik Hochkonjunktur. Das kann leicht zu einer gewissen Weltuntergangsübersättigung, zu einem Katastrophenvöllegefühl führen. Dagegen wirkt der Roman des Schweizer Autors Christoph Braendle wohltuend leicht, weil er in einer zeitlos schwebenden Prosa geschrieben ist und am Ende trotzdem die ganz Menschheit in einer zweiten Sintflut ertrinken lässt. In einem Bergland, das der Schweiz und Österreich sehr ähnlich ist, beginnt es unaufhörlich zu regnen. Gustav, der eigentlich mit seiner Frau Gerlinde in die Südsee wollte, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen (Tauchkurs, Korallenriffs, Fische), bleibt daheim, weil die Gattin ihre Flugangst nicht überwinden kann. Im Dauerregen kommt es zur Ehekrise, und Gustavs Welt verliert ihre Verankerung. Die Wiederbegegnung mit dem Jugendfreund André, der einenr millionenschweren ‚Allgemeinen Beteiligungsgesellschaft’ vorsteht, wendet das Blatt. André will bauen, was Gustav bloss so dahergesagt hat: ein Binnenmeer für Taucher. Eine Clique tiefdenkender Aquarianer bildet den Konterpart zu dieser renditegetriebenen Naturverhöhnung. Im Tonfall stifterscher Rosenbetrachtung versinkt diese Welt zu Recht – so folgerichtig und charmant kann der Weltuntergang auch sein, wenn nur die passende Arche bereitsteht.
FAZ 14.5.09
hhm

Klaus Hübner in den “Schweizer Monatsheften über den “Meermacher

Klaus Hübner: Viel mehr Meer als wir wollten!

Merkwürdig ist das schon: da schreibt ein nicht ganz unbekannter Autor einen pünktlich zur globalen Finanzkrise erscheinenden Roman, in dem es zentral um deren Ursachen geht und der ganz konsequent auf ein Weltuntergangsszenario hinausläuft – und fast niemand beachtet ihn. Da verfasst, ein halbes Jahr später, kein Geringerer als der Feuilletonchef der renommierten deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» eine diesen Roman über Gebühr lobende Besprechung – und wiederum geschieht nicht viel. Wird man dieses aussergewöhnliche, packende und umwerfend geschriebene Buch erst richtig entdecken und würdigen, wenn seine Prophezeiung eingetroffen ist? «Der Meermacher» ist ohne Zweifel das bisher beste Buch des ungewöhnlich vielseitigen Autors Christoph Braendle…

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 970/Juli 2009 der «Schweizer Monatshefte».