Österreich ist schön, oder? Eingewandert aus der Schweiz

Christoph Braendle (Hg.)

„Rund viertausend Menschen aus der
Schweiz haben in Österreich, vor allem in
Wien, eine neue Heimat gefunden. Trotzdem
ist das Verhältnis zwischen den beiden
Ländern vor allem von einem Gefühl des
Nichtwahrnehmens geprägt. Bestimmte
Klischees halten sich jedoch hartnäckig.
Konservativ sollen sie sein, unsere
Schweizer Mitbürgerinnen und Mitbürger,
spiessig, engstirnig, traditionsverhaftet –
und schon qua Nationalität über eine Menge
Geld verfügen. Ob das stimmt oder ob, wie
der Herausgeber behauptet, die Schweizer
vielmehr innovativ, unternehmungslustig,
schräg, witzig und am Puls der Zeit sind,
verrät Österreich ist schön, oder? auf
unterhaltsame Weise.“
Czernin Verlag, 2011

Wiener Salon Theater: Manhattan Blues

Uraufführung des Stücks ‘Manhattan Blues’ von Christoph Braendle durch das Wiener Salon Theater am 13. Januar im Hof der Bäckerstrasse 2, Wien 1. Beginn: 19.30 Uhr. Es spielen Stephanie Schmiderer, Hubert Wolf und Christiane Serafin de Ocampo. Regie: Sandra Schüddekopf. siehe: www.salontheater.at

Central Park, New York. Winter. Eine Frau trifft auf einen ihr unbekannten Parkbesucher und spricht ihn an, beginnt allmählich sich zu öffnen und erzählt ihm ihre Lebensgeschichte. Der Unbekannte schweigt. Sie fährt fort, wird immer offener, unverblümt spricht sie über die Tiefen und Höhen ihres Lebens, über Intimitäten, ihre Karriere als Schauspielerin, über ihren Umzug von Wien nach New York und ihre geplante Rückkehr nach Wien. Sie erzählt, er schweigt.

Immer wieder wird sie gestört von einem Straßenmusikanten, den sie grob verscheucht.

In der Geste des Erzählens springt sie zwischen verklärtem Lebensmut und abgeklärter Melancholie, sucht danach, was für sie ein zu Hause ausmacht, was Heimat für sie bedeutet, stellt Fragen nach Abschied und Neuanfang. Langsam beginnt sich eine Präsenz der Stille zu eröffnen, eine gewisse Ahnung liegt im Raum, in welchem ihre Worte immer weniger Resonanz finden. Erst im Dialog mit dem Musiker bekommen sie wieder eine Bedeutung. Andere Melodien werden hörbar. Der Blues wird zum Tanz. Der anfangs unscheinbare Musikant wird zur Schlüsselfigur in der Frage des Lebens, zu einem Lehrer ohne dabei die Fragen zu beantworten.

Manhattan Blues ist ein bewegendes Stück über Momente der Begegnungen, über die Einsamkeit des Menschen in einer beständig vergehenden Welt, und erinnert uns, dass wir letztlich doch loslassen müssen.

Weitere Termine: 14. und 15. Januar und 26. bis 29. Januar, jeweils 19.30 Uhr. Reservierung: www.salontheater.at

Fachdienst Germanistik: Christoph Braendle

Der 1953 in der Schweiz geborene Wiener Schriftsteller Christoph Braendle, der zuletzt mit seinem Roman ‘Der Meermacher’ (2009) einige Beachtung gefunden hatte, hat kürzlich den Band ‘Reportagen aus der Mitte der Welt’ vorgelegt, in dem kürzere Prosatexte aus den letzten beiden Jahrzehnten versammelt sind (Verlag Bibliothek der Provinz, 296 S., € 24.-). Der neugierige Reporter Braendle entdecke die Mitte der Welt in Weimar oder in St. Pölten, aber auch in seiner Geburtsstadt Zug, erläutert B. En. (’Neue Zürcher Zeitung’, 8.7.). Die in diesem “anregenden BAnd” vereinten Texte, Resultate einer ausgedehnten Reisetätigkeit, umspielten locker das Thema “Mitte” und reichten über das Genre ‘Reportagen’ weit hinaus. “Der genau beobachtende Schreiber leugnet nicht seine innere Beteiligung, und immer wieder einmal fährt eine poetische Brise durch die Texte. Dabei stellen sich in der Wahl der beschriebenen Lebenswelten frappierende Kontraste ein”. Die Schauplätze wechselten vom marokkanischen Essaouira über Wien, Oberösterreich und Kärnten nach Ruanda, Zimbabwe und Mocambique, von Las Vegas und New York City nach Niedersachsen und Thüringen. “Immer aber erzählt Christoph Braendle unaufgeregt, von sanfter Ironie getragen. Er beherrscht die Kunst der Beiläufigkeit, die Sprache der Verknappung.”

09/2010///Fachdienst Germanistik . Sprache und Literatur in der Kritik deutschsprachiger Zeitungen

Die Welt

Der Schriftsteller und Journalist Christoph Braendle ist begeisterter Weltreisender und berichtet u.a. aus Deutschland, den USA und vor allem Afrika, ergänzt ökonomische und politische Betrachtungen durch genaue Erkundungen über Menschen. Stest bemüht, den Ausgangspunkt der Reflexionen bei sich selbst - der Mitte der Welt - zu suchen, kommt Braendle nicht umhin, auch die eigene Person als Getriebener miteinzubeziehen. Es ist diese paradoxe Einheit von klarem Blick und zerstreuter Leidenschaft, die es Braendle ermöglicht, differenzierte und klunge Überlegungen zu Ländern und Kulturen anzustellen.

Christoph Braendle: Reportagen aus der Mitte der Welt. Bibliothek der Provinz, 269 S., € 24.-

“Der Meermacher” in einer Kritik von Klaus Hübner auf der Website des Goethe-Instituts

Who will stop the rain? Christoph Braendles Roman „Der Meermacher“

Die Darstellung des Weltuntergangs ist seit je ein großes Thema der Kunst und Literatur. Der in Wien lebende Schweizer Autor Christoph Braendle greift es in seinem brillanten Roman „Der Meermacher“ wieder auf. Das Buch ist einer der brisantesten Beiträge der deutschsprachigen Literatur zur Weltwirtschaftskrise.

In einer „zeitlos schwebenden Prosa“ verfasst, komme dieser jüngste literarische Weltuntergang direkt „charmant“ daher, meinte die Frankfurter Allgemeine Zeitung; die Wochenzeitung Die Zeit brachte eine fast euphorische Besprechung. Gute Literatur offenbar, dieser Meermacher, aber bisher ohne größere Wirkung. Ob man Braendles außergewöhnliches, packendes und umwerfend geschriebenes Buch erst richtig entdecken und würdigen wird, wenn seine Prophezeiung eingetroffen sein wird? Aber wer sollte dann …?

Die vollständige Rezession findet sich unter: http://www.goethe.de/kue/lit/thm/aug/de4936135.htm

Neue Zürcher Zeitung: Hinweise auf Bücher

Dahin und dorthin schweifend

In der Nähe der oberösterreichischen Ortschaft Kremsmünster steht ein Baum, der sich “mitten in der Welt” befinden soll. Aber wie wir längst zu wissen glauben, ist MItte kein fester Begriff, er verschiebt sich vielmehr nach persönlichem Gutdünken und gleitet auch nicht selten in Randzonen. So entdeckt sie der neugierige Reporter in St. Pölten oder Weimar, aber auch in der Heimatstadt Zug, die einst für den Knaben die Welt gewesen ist. Christoph Braendle, der 1953 geborene Schweizer Autor, welcher seit langem in Wien lebt, hat Aufzeichnungen, Resultate seiner ausgedehnten Reisetätigkeit, in einem anregenden Band vereinigt. Seine Texte, die locker das Thema “Mitte” um spielen, reichen indessen über Reportagen hinaus. Der genau beobachtende Schreiber leugnet nicht seine innere Beteiligung, und immer wieder einmal fährt eine poetische Brise durch die Texte. Dabei stellen sich in der Wahl der beschriebenen Lebenswelten frappierende Kontraste ein. Das exentrische Transvestiten-Milieu in New York mit den oftmals tragischen Schicksalen seiner Gestalten behauptet sich neben der Ländlichkeit eines Volksstücks aus Oberösterreich, neben den Bluttaten des unauffälligen Ehepaars in Thüringen, der Schilderung eines unaufhaltsamen Wachstums im marokkanischen Essaouira oder einem Bericht aus Rwanda. Immer aber erzählt Christoph Braendle unaufgeregt, von sanfter Ironie getragen. Er beherrscht die Kunst der Beiläufigkeit, die Sprache der Verknappung.

Christoph Braendle: Reportagen aus der Mitte der Welt. Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2010. 298 S.

8. Juli 2010; Beatrice Eichmann-Leutenegger.

‘Reportagen…’ auf ö1

Die unglaubliche Kraft eines Kontinents

Nach seinem viel beachteten Roman “Der Meermacher” aus dem Jahr 2008 versammelt der Schweizer Wahlwiener Christoph Braendle in seinem neuen Buch Reportagen aus zwei Jahrzehnten. Reisen durch USA, Europa und vor allem Afrika sind seine Schwerpunkte.

http://oe1.orf.at/artikel/246517

Das neue Buch: “Reportagen aus der Mitte der Welt”

“Ich habe”, begann ich, “die Mitte gefunden. Sie befindet sich auf einem Hügel und ist ein Punkt oder, um es genauer zu sagen, die Schnittstelle zweier Geraden, von der aus man ein ganzes Land vermass, und nicht nur ein Land, sondern ein Reich, ein Weltreich sogar, welches einer Familie Habsburg gehörte, die man noch heute kennt. Bei dieser Mitte handelt es sich ohne Zweifel um eine bedeutsame Mitte, deren Entdeckung mir gewiss nicht nur der Zufall zuwarf, jedenfalls vernehme ich in diesem Vorsommer schon deutlich einen kräftigen Wind, der sich in mir erhebt.”

Reportagen aus der Mitte der Welt im Verlag Bibliothek der Provinz. 295 Seiten. 24.-€.

Zu bestellen direkt beim Verlag: verlag@bibliothekderprovinz.at

Frankfurter Allgemeine, Kritik in Kürze: Die Aquarianer

Apokalyptiker haben auch in der Belletristik Hochkonjunktur. Das kann leicht zu einer gewissen Weltuntergangsübersättigung, zu einem Katastrophenvöllegefühl führen. Dagegen wirkt der Roman des Schweizer Autors Christoph Braendle wohltuend leicht, weil er in einer zeitlos schwebenden Prosa geschrieben ist und am Ende trotzdem die ganz Menschheit in einer zweiten Sintflut ertrinken lässt. In einem Bergland, das der Schweiz und Österreich sehr ähnlich ist, beginnt es unaufhörlich zu regnen. Gustav, der eigentlich mit seiner Frau Gerlinde in die Südsee wollte, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen (Tauchkurs, Korallenriffs, Fische), bleibt daheim, weil die Gattin ihre Flugangst nicht überwinden kann. Im Dauerregen kommt es zur Ehekrise, und Gustavs Welt verliert ihre Verankerung. Die Wiederbegegnung mit dem Jugendfreund André, der einenr millionenschweren ‚Allgemeinen Beteiligungsgesellschaft’ vorsteht, wendet das Blatt. André will bauen, was Gustav bloss so dahergesagt hat: ein Binnenmeer für Taucher. Eine Clique tiefdenkender Aquarianer bildet den Konterpart zu dieser renditegetriebenen Naturverhöhnung. Im Tonfall stifterscher Rosenbetrachtung versinkt diese Welt zu Recht – so folgerichtig und charmant kann der Weltuntergang auch sein, wenn nur die passende Arche bereitsteht.
FAZ 14.5.09
hhm

Klaus Hübner in den “Schweizer Monatsheften über den “Meermacher

Klaus Hübner: Viel mehr Meer als wir wollten!

Merkwürdig ist das schon: da schreibt ein nicht ganz unbekannter Autor einen pünktlich zur globalen Finanzkrise erscheinenden Roman, in dem es zentral um deren Ursachen geht und der ganz konsequent auf ein Weltuntergangsszenario hinausläuft – und fast niemand beachtet ihn. Da verfasst, ein halbes Jahr später, kein Geringerer als der Feuilletonchef der renommierten deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» eine diesen Roman über Gebühr lobende Besprechung – und wiederum geschieht nicht viel. Wird man dieses aussergewöhnliche, packende und umwerfend geschriebene Buch erst richtig entdecken und würdigen, wenn seine Prophezeiung eingetroffen ist? «Der Meermacher» ist ohne Zweifel das bisher beste Buch des ungewöhnlich vielseitigen Autors Christoph Braendle…

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 970/Juli 2009 der «Schweizer Monatshefte».